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Die „Sigismund“-Glocke auf der Wawel-Burg in Krakow

Im 16. Jh. war Krakau (heute Krakow) die Hauptstadt vom Königreich Polen. Dort waren damals viele Gießer tätig, bei denen der Königliche Hof zahlreiche Gussobjekte bestellte. Aber als beschlossen wurde, zu Ehren des berühmten polnischen Herrschers Sigismund I., der Alte genannt, (1467 bis 1548) eine Glocke zu gießen, wandte man sich an den Nürnberger Gießer Hans Beham mit der Bitte, den Guss anzufertigen. Nürnberg, damals in seiner Blütezeit stehend, war in ganz Europa bekannt als eine der bedeutendsten Kultur- und Kunststädte Europas, die über ausgezeichnete Handwerker, so auch Gießer verfügte, die für diese Aufgabe hervorragend geeignet waren. Hans Beham folgte dem Ruf nach Krakau. Eine Gießerei gründete er dort in der Nähe der Stadtmitte neben dem St.-Florian-Tor. Das Gebäude hat sich bis heute erhalten und zählt zu den bedeutenden Denkmälern der Polnischen Kultur. Hans Beham goss hier die nach „Sigismund“ benannte Glocke.

Die Glocke hat einen Umfang von 800 cm. Der größte Durchmesser beträgt 260 cm. Das Gesamtgewicht liegt bei 11 t, das der Krone allein bei 300 kg. Die Buchstaben des Schriftzuges weisen eine Höhe von 5,3 cm auf. Das Schriftband ist 32 cm breit. Die vier Buchstaben des Datums „M. D. X. X.“ sind unter dem Schriftband einzeln angeordnet. Darunter ist eine Reliefdarstellung von St. Sigismund zu sehen. An beiden Seiten der Figur ist jeweils ein Wappen positioniert. Es handelt sich um die Wappen der beiden Länder Polen und Litauen, die damals miteinander eng verbunden waren. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein ähnlichen Relief mit den gleichen Landeswappen, aber der Figur des St. Stanislaus, dem anderen bedeutenden Herrscher Polens in dieser Zeit. Der Name des Glockengießers wurde unter beiden Reliefs verewigt: Unter den Relief von St. Sigismund steht der Schriftzug:

HANS BEHAM VON NURENBERG;

unter dem von St. Stanislaus befindet sich der lateinische Schriftzug:

JOHANNES BOHEMUS DES NUREMBERGENSIS.

In der Mitte ist die Gießmarke von Hans Beham zu sehen.

Diese Glocke hatte allzeit eine besondere Ausstrahlung. Nicht nur die Künstler nahmen sich ihr an, sondern es ranken sich um diese Glocke auch einige Legenden. So lebt die Glocke, auch wenn sie heute nach einer im Jahr 2000 erfolgten Reparatur nur noch selten erklingt, in der Erinnerung der Menschen weiter fort.

Artikel-Nr.: GWZ0398

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